Einführung in die klassische persische Musik

Die iranische Musikkultur reicht bis in die Antike zurück und hat die andalusische, indische und spanische Musik beeinflusst. Eine Hochzeit erlebte sie unter den
Sassaniden (ab 224 u. Z.). Mit der Machtübernahme durch arabische Herrscher im 7. Jahrhundert werden auch arabische Einflüsse in die Musik integriert.

Viele bedeutende Gelehrte beschäftigten sich neben Mathematik, Medizin, Ethik und Philosophie auch mit Musikwissenschaft, zum Beispiel Fārābī (* 872 u. Z.). Sie suchten die Exaktheit der Naturwissenschaft mit der Logik der Musikphilosophie und Musiktheorie zu verbinden.

Die persische Kunstmusik wurde, ähnlich wie die europäische Klassik, vor allem am Hofe gespielt. Gleichzeitig gab es aber auch eine wechselseitige Beeinflussung mit der Volksmusik. Ihre Melodien, im Einklang mit der Tradition überlieferter persischer Poesie, inspirieren Menschen bis heute weltweit.

Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Musik direkt von Meister zum Schüler überliefert – auch heute noch ist dieses Lehrverhältnis wichtig. Das Repertoire persischer klassischer Musik besteht aus über tausend Grundmelodien, dem sogenannten Radīf. Als Meister gilt, wer diese komplett verinnerlicht hat und sie individuell improvisatorisch deutet.

Persische Musik, Literatur und Poesie sind eng miteinander verschränkte und im permanenten Dialog stehende Kunstbereiche, das heißt, die westliche Trennung unterschiedlicher Künste existiert so nicht. Man kann sie als Teil einer mystischen Praxis, wie sie der Sufismus lehrt, verstehen.

Elies Miniatures

Anfang 2018 wurde ein neues Format, ein neuer Ausstellungszyklus ins Leben gerufen. Ausgehend von der Arbeit der klassischen persischen Musikerin Elshan Ghasimi, werden unterschiedliche künstlerische Genres und die divergierende Arbeit unterschiedlicher Autoren zusammengeführt und miteinander verknüpft.

Elies Miniatures ist dabei das von Elshan Ghasimi ausgehende Projekt der Interpretation, Inszenierung und Übersetzung von Gegenständen aus Bouqdibs Nachlass in die weiten Sphären der Künste. Miniaturen versteht Ghasimi dabei als besonders verdichtete und konzentrierte Formen der Komposition. Sie hat ihren Kollegen, den polnisch-britischen Konzeptkünstler Michal Martychowiec eingeladen, die besungenen Objekte photographisch zu inszenieren. Dieser haucht den Relikten in seinen Photographien weitere Dimensionen spielerischer Individualität ein.

  1. Magnetic field generator Elshan Ghasimi 1:00
  2. Permis de conduire Elshan Ghasimi 1:17
  3. HP-41CX Elshan Ghasimi 1:38

Tar und kaukasische Tar

Die Langhalslaute ist ein wichtiges Instrument in der klassischen persischen Kunstmusik. Das persische Wort ‚tār‘ bedeutet ‚Saite‘. Eine etymologische Verwandtschaft besteht zur indischen Sitar und möglicherweise über Griechisch ‚kithara‘ auch zur Gitarre. Das Zupfinstrument ist bekannt für ihren zwischentonreichen, vibrierenden und metallischen Klang. Tar wird im Ensemble gespielt, ist aber auch als Soloinstrument populär.

Die Tar hat einen doppel-bäuchigen Resonanzkörper, der in der Regel aus dem harten Holz des Maulbeerbaumes hergestellt wird. Bespannt ist das Instrument mit einer dünnen Membran aus der Haut des Lammes. Das Griffbrett hat sechs Saiten und 25 Bünde. Gespielt wird es mit einem kleinen Messing Plektrum, das meist in Bienenwachs gefasst ist.

Die Tar wird neben dem Iran, auch in anderen vorder- und zentralasiatischen Ländern wie Aserbaidschan, Georgien und Armenien gespielt. Dort findet man eine leicht unterschiedliche Bauvariante, die kaukasische Tar.

Bublitz Logo
Scroll to top